Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen

Bundestagsabgeordnete Heil und Nahles diskutierten mit Jugendlichen auf Augenhöhe
 
Brütend heiß war es im Haus der Familie in Andernach, als die beiden Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil (CDU) und die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf politisch interessierte Jugendliche und Erwachsene trafen. Der Abend mit der Überschrift „Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen“ war aber keine hitzige Diskussion, sondern ein informativer Austausch, in dessen Verlauf die Teilnehmenden und Politikerinnen ihre Standpunkte darlegten.

Die Runde fand sich auf mehreren Ebenen: zunächst beim „Speed-Dating“ mit Andrea Nahles, Mechthild Heil, Student Kay Michelt als Moderator und dem Publikum, gefolgt von einer Tischrunde, bei der die Jugendlichen mit den Politikerinnen ganz persönlich sprachen. Den Abschluss bildete die von RPR-Moderator Dirk Köster geleitete Podiumsdiskussion.

Andrea Nahles fand es gut, dass auch kritische Fragen, z.B. zur Ganztagschule, gestellt wurden. Dort müsse man nachmittags noch büffeln, während Schüler anderer Schulen schon frei hätten, ärgerte sich eine Schülerin.

„Das Gefühl für Gerechtigkeit hat mich besonders beeindruckt“, stellte die SPD-Generalsekretärin nach der persönlichen Runde fest und ihr gefiel, dass sich „hier Leute zusammen tun und ihre Meinung sagen.“ Mechthild Heil, die sich den Fragen von Schülerinnen der Klasse 7 der St. Thomas Realschule plus in Andernach stellte, sah es als eine wichtige Aufgabe des Staates, darauf zu schauen, Kinder aus finanziell benachteiligten Familien nicht zu vernachlässigen. Ein Gutscheinsystem sei die Lösung, damit diese Kinder auch in Sportvereine gehen oder ein Musikinstrument lernen könnten. Auf die Studiengebühr angesprochen, befürworteten beide Politikerinnen deren Abschaffung. Die Jugendlichen bemängelten auch, dass die Gelder für Schwimmbäder und Kultur immer knapper werden. Andrea Nahles begründete diese Entwicklung mit den geringen Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen. Mechthild Heil wollte von Jugendlichen dann konkret wissen, wo finanzielle Mittel nach ihrer Meinung gut oder schlecht eingesetzt werden. „Wir haben immer weniger Kinder und investieren immer mehr Geld, und es funktioniert trotzdem nicht. Da ist doch was faul“, stellte die CDU-Politikerin fest und folgerte, der Ruf nach mehr Geld könne nicht die Lösung sein. Richard Stahl, Geschäftsführer der Caritas Ahrweiler, hob hervor, dass die Sparbeschlüsse der Bundesregierung, so auch die Anrechnung des Kindergeldes bei SGB II-Leistungen, die Schwächsten trifft. Für Andrea Nahles und Mechthild Heil aber ist der Abstand von SGB II – Empfängern zu Teilen der arbeitenden Bevölkerung teilweise „zu gering“. Andrea Nahles: „Wir brauchen bessere Löhne und eine bessere Kinderbetreuung.“

Konkret wurde das Gespräch auch, als die beiden Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises 199 mit zwei Jugendlichen konfrontiert wurden. Luis, dessen Vater keinen Unterhalt zahlte, geriet in die Schuldenfalle. Falsche Freunde brachten den Jungen zu Drogen, es kam zum sozialen Absturz. Bis heute hat der arbeitslose Jugendliche viele Maßnahmen ohne Erfolg durchlaufen. Auch Manuel, er wurde obdachlos, wünschte sich, dass die Behörden mal nach den Plänen und Talenten der Jugendlichen fragen und sie nicht einfach in Maßnahmen stecken. Mit dem Satz, „ich stehe vor einer Mauer. Man sollte die Maßnahmen alle abschaffen. Die kosten nur Geld und bringen nichts“, wurde deutlich, dass Behörden überlastet sind und ihre Klienten nicht immer in bedarfsgerechte Programme vermitteln. Andrea Nahles befand, dass punktuelle, sechswöchige Fortbildungen wenig bringen, erfolgsversprechender für einen Job seien längerfristige Maßnahmen.

Eine konkrete Lösung für ihr Problem kann Valentina aus Russland von den beiden Politikerinnen erwarten. Andrea Nahles und Mechthild Heil versprachen, sich um eine Vorfinanzierung zu kümmern, die die 22jährige bis zur Bewilligung ihres BAföG-Antrags für ein Studium in Mainz dringend braucht. Ansonsten nahmen die Bundestagsabgeordneten viele ungelöste Fragen und Probleme mit nach Berlin auf die Dauerbaustelle Bundesrepublik.

Der Abend brachte den sehr interessierten jungen Menschen die Politik näher, die mit ihren kritischen, lebensnahen Fragen Gehör fanden und dabei von Andrea Nahles und Mechthild Heil auf Augenhöhe angesprochen wurden.

Folgende Institutionen hatten die Veranstaltung ermöglicht: Caritasverband Koblenz e.V. mit Jugendmigrationsdienst und Migrationsprojekt Andernach, Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. mit Geschäftsführer und Jugendmigrationsdienst, Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Andernach, Jugendbüro Adenau und die Pfarrei St. Peter Sinzig mit Pfarrgemeinderat, Haus der offenen Tür, Kompetenzagentur und Schulverweigerung - Die 2. Chance. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Stadt Andernach.

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