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Zweite Chance für Verweigerer

Neu an der Barbarossaschule: Auffangstelle für junge Menschen in schwierigen sozialen und familiären Lebensverhältnissen. Der neue Schülertreff der Barbarossaschule und die Koordinierungsstelle „Schulverweigerung – Die zweite Chance“ wurden am Samstag in Sinzig eröffnet.

SINZIG.  Bundesweit etwa acht Prozent jeder „Alterskohorte“ verlassen die Schule ohne Abschluss. Dem vorzeitigen Ende der Schülerkarriere ging erfahrungsgemäß eine Verweigerung des regelmäßigen Schulbesuchs voraus. In Sinzig bekommen Schulverweigerer  jetzt eine zweite Chance: Beim gut besuchten „Tag der offenen Tür“ an der Barbarossaschule feierten am Samstag die Koordinierungsstelle des Projekts „Schulverweigerung – Die zweite Chance“ und gleichzeitig der neue Schülertreff ihre Eröffnung.

Beide Angebote sind im Pavillon – mit gutem Grund also nicht in der Schule, aber direkt an der Schule – verortet. Der Schülertreff ist in den Pausen geöffnet, der Mitarbeiter der neuen Koordinierungsstelle, Patrick Book, steht während des ganzen Schultags im Pavillon für Gespräche bereit. Sein Ziel: Jugendliche auffangen und wieder ins Schulsystem integrieren, um so eine nachhaltige Senkung der Zahl der Schulabbrecher zu erreichen. Jugendhilfe und Schule arbeiten dabei Hand in Hand: Mit dem Sinziger „Haus der offenen Tür“ (HOT) in Trägerschaft der Katholischen Kirchengemeinde St. Peter sitzen das Kreisjugendamt, die Kompetenzagentur, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), die Stadt Sinzig als Schulträger und die Barbarossaschule mit im Boot. Finanzielle Förderung kommt vom Bundesfamilienministerium und dem Europäischen Sozialfonds. Um als „Schulverweigerer“ zu gelten, müssen Jugendliche nicht notwendigerweise der Schule fern bleiben: Neben der aktiven gibt es eine passive Schulverweigerung, bei der die Schüler zwar im Klassenzimmer sitzen, sich aber nicht am Unterricht beteiligen. Betroffen sind vor allem junge Menschen in schwierigen sozialen und familiären Lebensverhältnissen. Die Gründe für Schulverweigerung sind vielfältig, wie HOT – Leiterin Petra Klein erklärt: Dazu gehören Probleme in der Familie, mit dem Unterrichtsstoff oder dem Lehrer, aber auch Mobbing durch Mitschüler, Negativerlebnisse oder pubertäre „Null – Bock – Phasen“. Doch egal, warum es nun zur Schulverweigerung gekommen ist: Eine Wiedereingliederung in den Schulalltag ist immer schwierig – und für Patrick Book, den zuständigen Mitarbeiter der neuen Koordinierungsstelle, die größte Herausforderung. Für den Diplom-Pädagogen steht außer Frage, dass Bedarf für seine Arbeit vorhanden ist. Das haben bereits die ersten Wochen seiner Tätigkeit bewiesen.

Um dem „Herausbrechen“ aus dem Unterricht entgegenzuwirken, setzt er auf ergänzende sozialpädagogische Angebote. Doch vor allem auf den Dialog mit Schülern, ihren Eltern und Lehrern. Ein Patentrezept gibt es nicht: Für jeden betroffenen Jugendlichen ab zwölf Jahren möchte Book ein Angebot entwickeln, das die individuellen Gründe für „schulverweigerndes“ Verhalten, persönliche Lebensbedingungen und die schulische Situation berücksichtigt. Als Schnittstelle zur Kompetenzagentur und in enger Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren kann er die Schulverweigerer hin- und herlotsen – und dabei auch ganz neue Wege gehen: Zwei Tage Schule, drei Tage Praktikum zum Beispiel – wenn dies denn der erfolgreichen Wiedereingliederung dient. „Vorher gab es die Alternative nicht“, erklärt Book. Bei der Eröffnungsfeier von Koordinierungsstelle und Schülertreff gaben ihm unter anderem Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger, die Kreisbeigeordnete Charlotte Hager und die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Peter, Brunhilde Floßdorf, ihre besten Wünsche mit auf den Weg.

Bei den Schülern der Barbarossaschule hat sich Patrick Book bereits im Rahmen der zurückliegenden Projektwoche bekannt gemacht. Da begleitete er den Dreh des Schülerfilms „Null Bock auf Schule“, der die Schulerfahrungen einiger prominenter Sinziger zum Thema machte. Als Interviewpartner standen dafür Bürgermeister Kroeger, Ex-Radweltmeister Rudi Altig, Pfarrerin Kerstin Lüdke und Edgar Steinborn den Schülern Rede und Antwort.


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