Schulverweigerer und Ausbildungsabbrecher erhalten durch ein Modellprojekt von Bundesregierung und Europäischer Union (EU) eine zweite Chance. Zielgruppe sind vor allem Hauptschüler. Bundesweit verlassen pro Jahr nahezu zehn Prozent der Jugendlichen ihre Schule ohne Abschluss, im vergangenen Jahr waren es 85 000.
„Wir wollen denjenigen, die bereits in der Startphase ihres Lebens in eine Sackgasse geraten sind, deren Folgen sie mit großer Wahrscheinlichkeit ihr ganzes Leben lang spüren werden, eine zweite Chance geben“, sagte von der Leyen. Speziell geschulte Sozialarbeiter kümmern sich als feste Begleiter vor Ort darum, dass die Jugendlichen wieder regelmäßig die Schule besuchen. Sie bieten Schulverweigerern individuelle, auf die persönliche Situation zugeschnittene Hilfen. Zur Risikogruppe zählen vor allem Kinder und Jugendliche im Alter von elf und 14 Jahren aus armen Familien oder aus Migrantenfamilien.
Das Projekt wird von den Kommunen, vom Deutschen Landkreistag und vom Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt. In diesem und im nächsten Jahr stehen dafür insgesamt 21,69 Millionen Euro zur Verfügung. Aufgebracht wird das Geld aus dem Bundeshaushalt, dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und von den Kommunen.
Die seit Jahren unverändert hohe Quote von Jugendlichen ohne Schulabschluss gilt seit langem als Ärgernis. Bereits zwei Mal hat die Kultusministerkonferenz (KMK) in einem Vertrag mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) zugesagt, diese Quote auf die Hälfte zu reduzieren. Von einzelnen Ländern abgesehen konnte bundesweit bisher jedoch keine Verbesserung festgestellt werden. Die BA gibt pro Jahr 1,4 Milliarden Euro für die nachträgliche Qualifizierung von Schulabgängern ohne ausreichende Vorbildung aus.
Quelle sam/ dpa